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Rennbericht 3h Mofarennen in Durlangen am 09.06.2012
17.08.2017 16:44

Am Freitagnachmittag fand Daniel mich in der Werkstatt an der Drehbank und das Mofa zerlegt in der Garage. Wir tüftelten noch den ganzen Abend an der Rennmaschine um auch gut für das große Rennen in Durlangen gerüstet zu sein. Der Wille zum Sieg war auf jeden Fall vorhanden. So haben wir noch eine Werkzeug zum Räumen von Polradkeilnuten gebaut und dann einen neuen Rotor an der Spindelpresse bearbeitet. Das Ergebnis war wirklich professionell und konnte sich sehen lassen. Als wir das neue Bauteil jedoch im Mofa ausprobieren wollten sprang es plötzlich nicht mehr an. Mit der Blitzpistole stellten wir dann fest, dass die Zündung um 180° verstellt war. Ups, jetzt wusste ich warum wir den Rotor noch nie verwendet hatten. Dank dem neuem Räumwerkzeug war die versetzte Keilnut jedoch in 5 Minuten erledigt. Aber leider sprang das Mofa nicht mehr an. Daniel und ich fingen um 21 Uhr dann schon etwas zu schwitzen an. Mein Papa kam auch noch dazu, schüttelte nur noch mit dem Kopf und merkte an: „Warum habt ihr das Mofa denn nicht einfach so gelassen wie es war?“ Warum? Na weil wir am nächsten Tag gewinnen wollten. Zuerst dachte ich, dass wir die Zündung geschossen haben, aber Gott sei Dank war nur die Zündkerze kaputt. So etwas hatte ich ja in 12 Jahren noch nie. Aber der Umbau hatte sich gelohnt. Daniel hätte es bei der ersten Probefahrt fast rückwärts überschlagen und er kam mit einem dickem Grinsen zurück in meine Garage. Ich denke wir hatten noch nie ein Mofa, das so gut ging wie dieses. Bis um 22 Uhr haben wir dann noch den Hänger beladen und unsere sieben Sachen zusammengekramt. Auf dem Hänger waren das Mofa, der Werkzeugkontainer, ein Pavillon, ein Teppich, ein Kanister, eine Kiste Spezi und ein paar Kleinigkeiten. Froni kam auch noch vorbei und wir aßen Pizza bei mir auf der Couch. Guter Dinge fuhren wir am nächsten Tag pünktlich um 6 Uhr in Neuzirkendorf los. Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir in Durlangen an, wo wir zuerst ein Teammitglied der Allgäuer aus unserem Boxenbereich bemühen mussten weil er dort auf ein paar Brettern seinen Rausch ausschlief. Wenn die Typen nur halb so gut fahren würden, wie sie saufen können hätten wir vermutlich keine Chance. Es waren viele Teams und Leute da, die wir schon von anderen Rennen kannten. Besonders freundlich wurden wir von den Wülden Hund aus Sulzbach-„Rosten“-Berg empfangen. Nach dem wir unser Pavillon aufgebaut hatten fing es zu regnen an. Später kam jedoch die Sonne heraus und die Strecke wurde wieder staubig trocken. Der Rundkurs war ca. 2km lang uns sehr abwechslungsreich. Es gab einen Doppelsprung und einen kleinen Sprunghügel. Insgesamt war es eine sehr schnelle Strecke, der es deutlich an Breite fehlte. Das galt auch für die Hindernisse. Hier besteht noch Verbesserungspotential. Die Abnahme unseres Rennmofas verlief zunächst unproblematisch. Aufgrund eines Protestes mussten wir aber ein zweites Mal vorfahren, damit die Rennleitung unser Fahrzeug genauer unter die Lupe nehmen konnte. Hauptaugenmerk lag dabei auf die 70% des Originalrahmens. Der oberste Chef des Rennens Kai Biber beäugte unser Mofa genauestens und gab es nach genauer Inspektion für das Rennen frei. Ich kann hier schon wieder nicht verstehen, warum nach dem Rennen wieder so viel über uns gemeckert wurde. Wenn unser Mofa aus Sicht des Veranstalters dem Regelwerk entspricht dann muss doch irgendwann mal gut sein mit dem neidischem Rummosern. Wir mussten lange warten bis wir um 14 Uhr endlich die Strecke beim Training besichtigen konnten. Daniel fuhr zuerst 4 Runden und kam zufrieden zurück in die Box. Er sagte: „Mosi, die spinnen alle. Meinen die, dass das Rennen schon angefangen hat?“ Dann musste der Krankenwagen auf die Strecke fahren um einen Fahrer des Ding Dong Teams aufzusammeln. Ich musste lange an der Boxenausfahrt warten konnte aber noch ein paar Runden zur Eingewöhnung drehen. Wir erzielten den 6. Startplatz. Leider habe ich den Start schon wieder ziemlich vermasselt. Das Zündkerzengewinde ließ sich ganz schlecht ansetzten und dann sprang das Mofa wieder nicht an. Daniel musste mich halten und ich kurbelte wie ein Verrückter. Ich kam nur im Mittelfeld in die erste Runde. Nach ca. einer viertel Stunde erreichte ich den Erstplatzierten. Muggi vom Team ORC Nighthunter fuhr auf einer fast originalgetreuen Zündapp CS bisher unantastbar an der Spitze. Dank der wirklich überirdischen Reifen der Marke Bridgestone auf unserer Mühle war es kein Problem mit gehörigem Geschwindigkeitsüberschuss die Führung in der langgezogenen Spirale zu übernehmen. Eigentlich konnte zu keinem Zeitpunkt ein Team unser Tempo mitgehen. Unser Mofa hatte den stärksten Motor, das beste Fahrwerk und auch die besten Reifen – nur bei den Bremsen haperte es etwas. So konnten wir mühelos die schnellste Rundenzeit ergattern und die Führung bis zum Rennende verteidigen. Unsere harte Konkurrenz war sehr stark. Die ersten 6 Teams hatten nahezu keinen einzigen Ausfall und wir mussten mit Tempo unseren Vorsprung stetig ausbauen um letztendlich mit 2 Runden mehr über die Ziellinie zu fahren. Unser Fahrerwechsel und Tankstopp erfolgte exakt nach 1,5 Stunden. Die benötigten 5 Liter Benzin tankten wir in wenigen Sekunden, wobei ein paar Tropfen auf der undurchlässigen Unterlage am Tankplatz landeten. Unser Stopp wurde von sehr vielen Zuschauern staunend wahrgenommen. Während Daniel sichtlich Spaß auf der Strecke hatte und den Sieg souverän und dazu noch verdammt schnell nach Hause fuhr hatte ich Zeit mit Beff und den anderen Wülden Hund zu plaudern. Ich hab schon wieder viel zu viele technische Details verraten. Nach dem Rennen wurden wir richtig gefeiert und alle haben sich unser Mofa sehr genau angeschaut. Die Glückwünsche und positiven Zusprüche nahmen fast kein Ende. Das war toll und ich war mehr als zufrieden mit unserer starken Leistung die wir da abgeliefert haben. Denn mit dieser Leistung haben wir an diesem Tag nicht nur das Rennen sondern auch noch die Herzen der anderen Fahrer und Zuschauer gewonnen. In der Bar haben wir dann noch richtig bis zum Umfallen gefeiert und wir haben viele nette Leute kennengelernt. Naja.. dem ein oder anderem Moserer sind wir auch noch begegnet. Das zähl jedoch nicht. Wir hatten unser Mofa im Festzelt geparkt weil es uns dort am sichersten erschien. Falsch gedacht. Da sagte doch einer von der Rennleitung zu mir: „Hey, da fährt jemand mit eurem Mofa rum!“. Als ich zum Mofa ging war es weg. Ich bin dann vor das Zelt hab aber niemanden gesehen. 5 Minuten später stand es unversehrt wieder da. Krass, oder? Nachts habe ich gefroren, weil ich zu faul war mir die Isomatte aus dem Auto zu holen. Aber die ersten Sonnenstrahlen am Sonntag ließen ja nicht lange auf sich warten. Um 11 Uhr hatten wir alle Sachen wieder verstaut und traten die Heimreise an. Zum Schluss noch ein paar Informationen am Rande. Die Wülden Hund haben einen sehr beachtlichen 6. Platz erreicht. Ich denke sie sind jetzt besonders heiß und auch gefährlich für die Rennen in Herzogenaurach und Seitenthal. Die Allgäuer sind einfach bloß krass und die haben auch so eine Schniffi, die alles für sie arbeitet während sie faul mit einer Flasche Bier danebenstehen. Nur das Mofa darf sie nicht anfassen. Die Scuderia Neuburg war nach dem freien Training nicht mit sich selbst zufrieden und verzichte auf die Teilnahme. Lemming-Racing kämpft noch mit den Kinderkrankheiten ihrer Zündapp, hat aber eine durchaus akzeptable Platzierung erreicht. Ich hoffe dass sie ihr Mofa bis zum Wochenende in Herzogenaurach wieder fit bekommen. Unser Mofa hat das Rennen bis auf eine abgebrochene Stellschraube an der Kupplung und eine kleine Undichtigkeit im Tank sehr gut überstanden. Ich bin auch mal gespannt auf Durlangen 2013 – ich kann mir gut vorstellen, dass da Reglementänderungen kommen werden, die darauf abzielen unseren Vorsprung zu verringern. Super fand ich die lockere aber konsequente Durchführung der Veranstaltung und die Sturzbomber haben eine super Party auf die Beine gestellt. Die Veranstaltung ist auf jeden Fall ein Highlight im bundesdeutschem Mofa-Rennkalender.

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