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Rennbericht 3h Mofarennen auf dem Eulenhof/Frankenhardt am 06.04.2013
17.08.2017 16:56

Es ist einfach super wenn man am Freitagnachmittag das bereits im Herbst perfekt gewartete Mofa aus dem Winterschlaf weckt um damit gleich am Nächsten Tag ein wichtiges Rennen zu fahren. Betankt habe ich es diesmal nur mit dem besten Treibstoff und auch sonst war das Mofa in einem super Zustand. Die obligatorische Probefahrt begeisterte Anderle und mich gleichermaßen und wir waren uns einig, dass wir uns mit diesem Material nicht verstecken müssen. Auch die Auswahl an eingepackten Ersatzteilen war erstklassig. Lediglich eine Tafel und Kreide haben wir zuhause vergessen. Mittlerweile haben wir mit dem Beladen des Anhängers eine solche Routine entwickelt, dass wir innerhalb kürzester Zeit startklar waren. Am Abend erreichte uns dann die traurige Nachricht von Daniel, dass bei ihnen zuhause die Maschinenhalle brannte und er deshalb morgen nicht mitfahren könne. Am nächsten Tag fuhren Anderle und ich um 7:30 Uhr gemütlich los und kamen um ca. 10 Uhr in Frankenhardt bei Crailsheim an. Dort sausten bereits viele Mofas wie verrückt um die Rennstrecke. Wir mussten uns zunächst anmelden und dann noch die Startnummern an unserem Mofa befestigen. Bei Eiseskälte bauten wir unsere Box auf und bereiteten unser Mofa vor. Ohne am Training teilzunehmen entschieden wir uns dazu von Bridgestone- auf Pirelli-Bereifung zu wechseln. Die nagelneuen Pneus verrichteten später sehr gute Dienste. Auch die Übersetzung haben wir auf gut Glück von 14-43 auf 13-45 geändert um an der relativ steilen Bergauf- Passage eventuell in den 3. Gang zu kommen. Auch das funktionierte während des Rennens prima. Jetzt im Nachhinein bin ich mir aber nicht ganz sicher ob die längere Übersetzung bei vermehrtem Einsatz des 1. Gangs nicht doch besser gewesen wäre. Aber das können wir ja nächstes Jahr mal ausprobieren falls ich mir diesen Bericht hier vorher noch einmal durchlese. Um 11:45 Uhr fand dann eine Fahrerbesprechung statt bei der alles ausdrücklich erklärt wurde. Alles? Ein wichtiges Detail zur Wertung der gefahrenen Runden wurde jedoch nicht angesprochen. Dazu aber später mehr. Nach der Fahrerbesprechung fing das Qualifying an. Jedes Team musste mit mindestens 2 Fahrer und Mofa zur Ziellinie kommen. Dort wurde das Mofa begutachtet und man musste 3 verkürzte Runden gegen die Uhr fahren. Das ganze ging so: Das Mofa wurde gestartet und ein Fahrer hielt es fest. Der andere Fahrer stand an einem Buzzer, welchen er drückte und dann zum Mofa lief. Dadurch wurde die Zeitnahme gestartet. Ich fuhr die 1. Runde und übergab dann das Mofa an Anderle für die zweite Runde. Da ich bisher noch keinen Meter auf dieser Rennstrecke gefahren war verschätzte ich mich bei dem Sprung total und viel in der ersten Runde schon fast auf die Schnauze. Anderle absolvierte seine Runde ohne Probleme. Die 3. Runde fuhr dann wieder ich. Zum Schluss musste ich dann absteigen, über eine Bierbank springen und den Buzzer erneut drücken, um die Zeitnahme zu stoppen. Mit einer Zeit von 121 Sekunden lagen wir beim Qualifying mit 3 Sekunden Rückstand auf Platz 2 hinter dem Team Rantanplan. Bereits bei der Anmeldung war mir sofort klar welches Team uns an diesem Tag wohl kräftig einheizen würde. Wir gingen durch die Boxengasse und ich sagte noch zu Anderle: „Hey, das ist doch das Mofa von Muggi!“ Kurz darauf traf ich dann die Ü40-Rennsportlegende und es ging sofort los mit den üblichen ulkigen Sticheleien. Am Nachmittag nutzten wir die freie Zeit für ein kleines Nickerchen in unserem ur-gemütlichem Hänger. Den Start hätten wir fast verschlafen. Die Rennleitung war schon ganz verzweifelt und machte ständig Durchsagen wo denn die Schlammschlucker mit der Startnummer 38 blieben. Wir kamen jedoch mehr als pünktlich zum Start, welcher genau um 15 Uhr erfolgte. Anderle rannte wir verrückt los und sprang auf das bereits laufende Mofa. Er ordnete sich sofort hinter Muggi auf der 2. Position ein. Dort klebte er dann 1,5 Stunden lang am Hinterrad unserer harten Konkurrenz. Obwohl das Team Rantanplan mit der Startnummer 20 bergauf deutlich Vorteile hatte ließ Anderle nicht abreißen und fuhr wie ein Uhrwerk – Schnell, konstant und absolut fehlerfrei. Auch die zahlreichen Zuschauer, die sich auch vom kalten Wetter nicht abschrecken ließen, hatten bereits bemerkt, dass das ein äußerst knappes Rennen ist. Nach exakten eineinhalb Stunden machten wir zur Halbzeit den Fahrerwechsel. Auch das bisher in Führung liegende Team kam zur gleichen Zeit in die Box. Wir tankten 3 Liter und ich stieg aufs Mofa. Zu diesem Zeitpunkt drehte unser Mofa im Stand extrem hoch was vermutlich irgendwie am Gasseil lag. Aber das störte mich bei meinen ersten Runden absolut nicht. Auch das leichte Rutschen der Kupplung ignorierte ich völlig. Ich kam sofort gut mit der sehr abwechslungsreichen Rennstrecke zurecht. Unser Mofa hatte hervorragende Traktion auf dem weichen Wiesenboden welcher mittlerweile abschnittsweise mit vielen Rillen durchzogen war. Besonders gut kam ich mit dem schlammigen Verhältnissen rund um das künstlich angelegte Matschloch klar. Dort war ich deutlich schneller als mein Kontrahent Tobias dem ich in jeder Runde einige Meter abnehmen konnte. Nach wenigen Runden übernahm ich die Führung und reduzierte mein Tempo um keine unnötigen Fehler zu machen und das Mofa zu schonen. Es hat richtig Spaß gemacht auf dieser genialen Strecke zu fahren – da strahlte ein dickes Grinsen unter meinem Helm hervor. Ich kapierte zunächst nicht, warum Anderle mich mit böser Mine ständig dazu anfeuerte schneller zu fahren. Als er mir dann eine Tafel zeigte auf welcher stand: „Bei Rundengleichheit zählt das Qualifying!“ wusste ich was die Stunde geschlagen hatte. Das bedeutete nämlich, dass ich noch mindestens 1 ganze Runde Vorsprung herausfahren musste. Ich erhöhte nun meine Geschwindigkeit deutlich und versuchte auch bei den Überrundungen weniger Zeit zu verlieren. Leider kam dabei ausgerechnet der Fahrer unseres Boxennachbars „Team Panzerknacker“ nach einer Berührung am Ellenbogen bzw. Lenker zu Fall. Das tut mir leid. Ansonsten war ich in keinerlei Sturz oder Unfall verwickelt. Als ich dann fast eine Runde herausgefahren hatte und Tobias vom Team Rantanplan in Sichtweite war traute ich meinen Augen nicht. Ohne Gegenwehr winkte er mich einfach an sich vorbei. Das fand ich so schade, weil ich mich schon auf einen harten aber fairen Zweikampf gefreut hatte. In der letzten Runde ging unseren Freunden dann auch noch der Motor fest und sie konnten die Ziellinie nicht überqueren. Unser Sieg war dann doch klarer als wir uns das vorgestellt hatten. Aus uns unerklärlichen Gründen wurden Muggi und Tobi dann obendrein noch mehrere Runden wegen Abkürzen abgezogen. Das verstanden wir jedoch rein gar nicht. Das Verhalten aller Teams und besonders bei Team Rantanplan war sportlich und fair. Dafür hier ein Lob und Dank! Glücklicherweise war dieser Rundenabzug nicht entscheidend und so konnten wir uns noch mehr über unseren erkämpften Sieg freuen. Sieger der Herzen war an diesem Tag jedoch zweifellos Muggi, der noch viele Autogramme mit Widmung schrieb. Danke auch an unsere Fans, die wieder angereist waren um uns anzufeuern. Ihr seit so Klasse! Vor der Siegerehrung hauten wir uns noch etwas auf Ohr und feierten dann bis spät in die Nacht. Neue Freundschaften wurden geschlossen und die gegenseitigen Ehrschätzungen nahmen fast kein Ende. Es ist einfach toll zu dieser eingeschworenen Mofa-Gemeinde dazuzugehören. Leider hat jemand unseren schönen Pokal, welchen wir kurz unbeaufsichtigt ließen, mitgenommen. Aber bei Mofarennen geht es nicht um Pokale, sondern um die vielen schönen Erinnerungen, die mein Leben so sehr bereichern. Nun noch ein kurzes Statement zu der Veranstaltung: Liebe Mofafreunde Eulenhof, bitte macht im nächsten Jahr so weiter. Ihr habt ein perfektes unkompliziertes Rennen, mit einer perfekten Strecke und einer perfekten Party. Ohne größere Nachwehen kamen wir am nächsten Tag fast unbeschadet zuhause an. Nur mein linker Zehennagel wird mir nun zum 4. Mal in 4 Jahren abgehen, weil ich mich schon wieder beim Fahren gestoßen habe.

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