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Rennbericht 3h Mofacross in Bramberg am 23.05.2010
17.08.2017 16:00

Oh what a night… hatte ich schlecht geschlafen als ich mich um 7:45 Uhr aus meinem Bett herausgequält habe. Nach den beängstigenden Ereignissen der vergangenen Nacht dürfte es aber niemanden verwundern, dass ich da schlecht geträumt habe. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Nun aber zum Rennbericht. Um 8:30 Uhr sind wir in Seitenthal losgefahren. Auf meinem Anhänger waren die beiden Boliden (#3 und #41) festgezurrt und Steves Kofferraum war bis zum Rand gefüllt. Mit dabei war die treue Stammbesetztung: Anderle, Andi, Schniffi, Daniel und Steve. Um 10 Uhr kamen wir in Bramberg an ohne uns großartig zu verfahren. Der obligatorische Stopp (Burger King) fand diesmal an der A73, Nähe Bamberg, statt. Zu unserer Verwunderung mussten wir bei der Ankunft feststellen, dass diesmal nicht so viele Teams angereist waren und das obwohl das Wetter absolut herrlich war. Insgesamt waren es 14 Teams. Platzprobleme im Fahrerlager waren somit absolut nicht vorhanden. Das Bergmafia Team drehte bald die ersten Trainingsrunden. Anderle war aber total unzufrieden mit seinem Mofa. „Ich komme kaum den Berg rauf mit der tauben Mühle“ sagte er. Nur unter Androhung, dass ich kein Wort mehr mit ihm rede, wenn er die Kontaktzündung ausbaut, konnte ich verhindern dass er dies auch tat. Hinsichtlich des 24h Rennens in Speinshart mussten wir jetzt endlich damit beginnen erste Erfahrungen mit Unterbrecherzündung zu sammeln. Ganz untätig konnte er den Vormittag dann doch nicht verstreichen lassen. So wurde die Übersetzung von 14-57 auf 13-57 und dann wieder zurück auf 14-57 geändert. Daniel und ich ließen keine Panik aufkommen und mein Teamkollege fuhr lediglich drei Runden um die Strecke zu besichtigen. Ich kannte die Strecke bereits und legte mich bis zum Start um 14 Uhr auf die faule Haut. Bald taten es mir die anderen gleich und unsere weißen nackten Oberkörper räkelten sich in der Sonne. Die anderen Teams fuhren und schraubten derweilen wie die Weltmeister bis schließlich irgendwann absolute Ruhe einkehrte. Pünktlich um 14 Uhr wurde das Rennen dann mit einem Le-Mans-Motocross-Start gestartet. Das bedeutet dass alle Maschinen wie beim Motocross in einer Reihe standen und von je einem Helfer gehalten wurden. Die Fahrer standen ca. 10 m hinter den Maschinen und mussten beim Flaggensignal loslaufen. Ich kaum erstaunlich gut weg und konnte als zweiter in die erste Kurve einbiegen. Nach einer Runde hatte ich dann die Führung übernommen. Bei Andi von der Bergmafia lief der Start nicht ganz so gut. Er wurde zwischen zwei Mofas eingekeilt und brauchte mehrere Runden bis er zu mir aufgeschlossen hatte. Runde für Runde kam er näher. Als er dann da war fuhren wir eine gewisse Zeit lang gemeinsam und steigerten kontinuierlich das Tempo. Kurz vor dem ersten Boxenstopp musste ich dann abreißen lassen. Nach einer Stunde stiegen dann Anderle für die Bergmafia und Daniel für die Schlammschlucker auf die Mofas. Komischerweise führte dann Daniel eine Stunde lang ca. 50 Meter vor der Bergmafia. Diesen Vorsprung übernahm ich, als ich zur letzten Stunde aufsattelte. Bei der Bergmafia fuhr dann auch wieder Andi, der nach wenigen Runden immer näher kam. Unbeirrt fuhr ich mein sicheres Tempo weiter. Als er dann an mir vorbeizog, heftete ich mich an sein Hinterrad. Ich machte ständig höchstmöglichen Druck und Andi war sehr damit beschäftigt vor jeder Kurve die Türe zuzuhalten. Nachdem wir das Endrohr unserer Auspuffanlage verloren hatten, marschierte unser Mofa einen kleinen Tick besser als das der Bergmafia und so konnte ich die Defizite unseres Fahrwerks ausgleichen. Nach einer „beinahe“- Kollision mit einem anderen Mofa klaffte zwischen uns eine größere Lücke. Ich hatte sofort den Gedanken, dass ich diese Lücke unbedingt zufahren musste, wenn ich die Chance auf den Sieg wahren wollte. Ein paar Körner konnte ich noch drauflegen und ich gab es auf, das Mofa bei den Sprüngen zu schonen. Ab diesem Zeitpunkt waren ich und die Maschine an den Grenzen der Physik angelangt und ich denke bei Andi war es genauso. Etwa 150 Zuschauer saßen auf Bierbänken in 5er Reihen an der Strecke und verfolgten aufmerksam unsere Hetzjagd. Ca. 15 Minuten vor Rennende war ich wieder unmittelbar hinter Andi. Ich verschärfte den Druck und keiner von uns beiden gab auch nur einen Meter nach. Bei einem Sprung sahen wir uns sogar gegenseitig an, während unsere Maschinen links und rechts über den Kopf eines Hercules-Piloten segelten. So etwas kommt eigentlich nur bei Motocross-Rennen vor – absolut irre. Ständig studierte ich die Fahrweise meines Konkurrenten und Freunds bis ich die richtige Stelle zum Überholen gefunden hatte. In der vorletzten Runde setzte ich dann das entscheidende Überholmanöver an. Notgedrungen musste ich auch noch in die psychologische Trickkiste greifen und meinen Kameraden leicht mit dem Ellbogen touchieren. Dies war zwar nicht gefährlich tat aber dennoch seine Wirkung. In der letzten Runde kam kein Kontra mehr und ich passierte die schwarz-weiß-karrierte Flagge als Sieger. Nach dem Rennen wurde unser Hubraum kontrolliert und wir kamen noch ins Gespräch mit den anderen Teams. Die Siegerehrung fand um 18 Uhr statt. Oh what a day…war das ein an Spannung kaum zu übertreffendes Rennen.  Ich ziehe meinen Hut vor der Leistung des Bergmafia Teams und besonders vor Andi, der eine wahnsinnig gute, konstante und sichere Leistung abgeliefert hat. Bemerkenswert war, wie auch beim letzen Mal, die schöne Naturstrecke des BMC-Bramberg, welche die Kulisse für unsere bühnenreife Vorführung darstellte. Für nächstes Jahr wünsche ich mir wieder so schönes Wetter und ich hoffe, dass dann ein paar Teams mehr zu dieser Veranstaltung finden. Auf dem Heimweg sind wir natürlich wieder nicht an der Burger-Bude vorbeigekommen ohne anzuhalten. Die Hornhaut am Arsch wird immer dicker und ich fühle mich schon ziemlich gut vorbereitet für das Rennen auf dem Barbaraberg.

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