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Reisebericht Mallorca 14.10.2011
17.08.2017 16:32

Am letzten Arbeitstag war ich mit meinen Gedanken schon auf der warmen Baleareninsel und den Vorabend meiner Abreise verbrachte ich mit Rucksackpacken und Wanderkartenstudium. Meine Mutter brachte mich nach einer kurzen Nacht um 2:30 Uhr nach Nürnberg zum Flughafen. Die Scheiben am Auto waren zum ersten Mal angefroren, was meine Sehnsucht nach dem Süden noch steigerte. Ich war nicht besonders warm angezogen und trug 9kg Gepäck auf meinen Schultern. Pünktlich um 4:50 Uhr starte die Airberlin- Maschine, in der es wie üblich Käse- und auch Wurstbrote zum Essen gab. Ich nutzte die Zeit um ein wenig Schlaf nachzuholen. Hier fing ich an alles Erlebte aufzuschreiben, was ich hier nun abtippe: Ich stehe am Gepäckband und gerate fast in Panik als mein Rucksack nicht auftaucht. Etwas aufgelöst fülle ich am Schalter eine Verlustmeldung aus. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass ich nur am falschen Band gewartet habe. Uuuufz. Bin ich erleichtert, als ich meinen, in einen gelben Regenschutz eingepackten, Rucksack erblicke. Sitze jetzt für 2 Euro im Bus nach Palma. Es hat bereits 18°C. Am Placa d Espanya steige ich aus und ich erkundige mich, wann der Bus nach Valldemossa fährt. Alle Leute hier haben kurze Sachen an und strömen zu Fuß in die Stadt, während ich hier auf einer Parkbank sitze und auf den Bus warte. Die Sonnenstrahlen versetzten mich in gute Laune und als ich im Bus dann nur 1,65 Euro für die Fahrt nach Valldemossa bezahle ziehen sich meine Mundwinkel weit nach hinten. Der Busbahnhof befindet sich unterirdisch direkt unter dem Park. Hier ist noch keine Spur vom Herbst zusehen. Die Blätter sind alle grün und ich genieße die Landschaft während der Fahrt. Jetzt brauche ich nur noch einen kleinen Block zum Schreiben und Sonnencreme – beides habe ich leider zuhause vergessen. Meine Wasservorräte fülle ich in einem Supermarkt in Valldemossa auf und dort ziehe ich auch meine Wanderschuhe an. Ich gönne mir ein Mittagessen. Der Cheeseburger hier schmeckt allerdings etwas, naja, sagen wir mal mediterran. Gut gestärkt starte ich in die erste Etappe von Valldemossa nach Deja. Mein Rother- Wanderführer bringt mich zuverlässig zum Einstieg in den Aufstieg. Eine Wanderkarte und Kompass ergänzen mein Navigationsmaterial und helfen mir auch den richtigen Weg zu finden.  Nach 2 Stunden erreiche ich die Abrisskante des Hochplateaus. Hier oben pfeift der Wind und es geht ca. 200 Meter senkrecht nach unten. Im Norden sehe ich die Küste und hinter mir kann ich Palma erblicken. Auch den Puig Major im Osten kann ich sehen. Da ich ziemlich durchgeschwitzt bin tut es mir gut einen Pullover überzuziehen. Andere Wanderer sitzen oberkörperfrei am Gipfel und machen Brotzeit. Ein älteres nettes Ehepaar (Herbert und Gretel) aus Österreich begleitet mich ein kleines Stück am Grat entlang. Dann beginnt der Abstieg in der Steilwand nach Deja. Wegen meines schweren Rucksacks muss ich das Tempo deutlich verringern um auch heil im Tal anzukommen. Obwohl ich meine Wanderstöcke benutze tun mir plötzlich die Kniegelenke so weh, dass ich mich nur noch humpelnd in meine Herberge schleppen kann. Nach insgesamt 6 Stunden komme ich im Refugi Can Boi in Deja an. Ich weiß nicht ob morgen mit diesen Schmerzen überhaupt weitergehen kann und deshalb bin ich auch ziemlich verzweifelt. Ich sitze grad bei den Kanonen an der Kirche von Deja und genieße die letzten Sonnenstrahlen meines 1. Tages. Das Örtchen hier ist richtig verschlafen. Bis auf die Autos von der „Bundesstraße“ ist es hier völlig still. Nur die Glocke des Kirchturms meldet sich jede Viertelstunde. Nach dem langen schmerzvollen ersten Wandertag bin ich jetzt heilfroh gut behütet hier angekommen zu sein. Für meine erste Etappe habe ich ca. 2 Liter Wasser und 2 Lebkuchen benötigt. Achja… und ein Bonbon. Eigentlich könnte ich noch in die Bucht von Deja absteigen. Meine schmerzenden Knie verderben mir jedoch grade den Badespaß. Stattdessen war ich grad in der Kirche und habe gebetet, dass meine Knie nicht mehr so wehtun. Man sollte es kaum glauben, aber das Beten hat sofort geholfen. Als ich mit der Besichtigung des sehenswerten Friedhofs fertig war schickte mich der liebe Gott direkt an einer Apotheke vorbei, wo ich eine Salbe (3€) für mein Knie bekam. Auch Sonnencreme (13€) konnte ich dort ergattern. Ich glaub nämlich, dass es weiter sonnig bleibt, obwohl ich grad ein paar Wolken erblicken kann. Sie kratzen an den Gipfeln der Tramuntana. Sitze jetzt in einer Pizzeria und warte auf meine Penne Tomate-Mozarella-Basilikum. Das Essen schmeckt prima und ich lecke mein Messer ab weil da noch etwas von dem Balsamico daran klebt. Hey… da fährt ja grad ein Rollerfahrer der genau den gleichen Helm hat wie ich. Die Duschen in der Herberge sind übrigens kalt und im Schlafsaal haben sich einige ältere Frauen aus Frankreich und Deutschland einquartiert. Aber die meisten scheinen so wie ich auf der Durchreise zu sein. Um 20 Uhr liege ich im Bett und schlafe ein. 2. Tag. Ab 6 Uhr morgens fangen die Weiber an zu tratschen – leider nur auf Französisch. Es ist jetzt halb neun und ich sitze noch kurz hier am Refugi. Die 11 Euro für die Übernachtung habe ich bezahlt und der Rucksack scheint etwas schwerer geworden zu sein. Dank der Voltaren-Salbe  ist der Schmerz in den Knien völlig verschwunden. Der Weg nach Port de Soller führt mich jetzt an der Küste entlang. Ich gehe sehr gemütlich um meine Gelenke zu schonen. Frühstück mache ich auf einer Schafweide und ein kleiner Mittagsimbiss bei der Finca Son Mico ist mir Stärkung genug. Hier sitzte ich grad und mache ausgiebig Rast. Die Aussicht ist herrlich und ich kann mein Ziel schon erkennen. Um 15 Uhr erreiche ich das Refugi Muleta. Es liegt direkt auf einem Felsen über dem Meer. Direkt daneben steht der Leuchtturm von Port de Soller. Ein wirklich toller Platz. Auf dem letzten Stück bin ich Herbert und Gretel wieder begegnet und mit ihnen sitze ich jetzt auf der Terrasse. Herbert bietet mir eine Kniestütze an die ich jedoch dankend ablehne. Ich muss jedoch versprechen, dass ich mir eine kaufe, sobald ich die Möglichkeit dazu habe. Wir essen Deluxe-Schinken-und-Käse-Brote und der lange Nachmittag hier bringt mich zum Nachdenken. Ich beobachte die Leute und das Meer und denke auch viel darüber nach was wirklich wichtig ist im Leben. Am wichtigsten ist es gesund zu sein. Mit schmerzenden Knien wäre der Urlaub nämlich total ins Wasser gefallen. Wichtig ist es auch ein guter Mensch zu sein und guten Menschen zu begegnen. Die hilfsbereiten Österreicher Herbert und Gretel kommen mir wie zwei Schutzengel vor. Ich notiere noch „Glücklichsein“, „Heimat“, „Wasser“, „Klo´s“ als wichtige Dinge. Als unwichtig erachte ich jedoch folgendes: „Klamotten“, „Sonnenbrillen“, „I-Phones“, „Geld“, „Reisen“. Hier auf der Hütte ist mächtig was los. Wanderer kommen und gehen. Ich freu mich jetzt schon auf die Etappe morgen. 3. Tag. Ich glaube es ist Sonntag. Mein Weg geht zuerst in die Bucht von Port de Soller, wo ich zum ersten Mal meine Füße ins Meer halte. Die Sonne ist grad aufgegangen und ich mache einen Spaziergang am Strand. Während meine Füße in der Sonne trocknen, sehe ich den alten Herren beim Angeln zu. Einige sind auch schon im Wasser und machen Frühsport. Das Frühstück habe ich mir grad im Supermarkt gekauft. Es gibt Jogurt und Kuchen. Weiter geht es mit der uralten Siemens-Straßenbahn ins Zentrum von Soller. Von dort aus mache ich mich auf den Weg zum Cuber-Stausee. Ich bin jetzt 4 Stunden durch eine atemberaubende Schlucht auf ca. 1100 Meter aufgestiegen. Es ist ein alter Pilgerweg, welcher sich steil nach oben schlängelt. Am Ofre Pass mache ich gerade eine ausgiebige Pause mit Sonnenbad. Hier hat man auch einen herrlichen Ausblick nach Soller und auf den Stausee. Letzteren erreiche ich nach weiteren 1,5 Stunden. Oben am See wurde ich von einer deutschen Reisegruppe zum Picknick eingeladen als ich ihnen Wasser abkaufen wollte. Das ist mir nämlich ausgegangen weil die Quelle Pont de Negro aufgrund der anhaltenden Dürre gänzlich versiegt war. Und da waren sie wieder meine Schutzengel; nette Leute aus dem Norden. Wie bereits am Morgen beschlossen wollte ich diese Nacht im Freien in den Bergen verbringen. Ich gehe weiter bis zum Grog Blau See wo ich bei anbrechender Dunkelheit mein Zelt aufschlage. Dort koche ich mir gerade 3 Fünf-Minuten-Terrinen zum Abendessen. Es ist verdammt einsam hier. Keine Geräusche. Nur die Schafe hören nicht auf zu blöken. Eigentlich darf man hier nicht zelten und deshalb bin ich dann auch erschrocken, als ein Mann auftauchte. Er fragte mich jedoch nur ob ich jemanden gesehen habe, weil man ihm das I-Phone aus dem Auto geklaut hatte. Wie bereits gestern Abend notiert sind I-Phones jedoch als unwichtig einzustufen. Es war eine bitterkalte lange Nacht. 4. Tag. Gott sei Dank ist jetzt endlich die Sonne wieder aufgegangen. Ich habe so gefroren, dass ich mitten in der Nacht aus dem Zelt bin um mir Tee zu kochen und warme Klamotten anzuziehen. Die Schafe sind schon seit Stunden wieder wach und ich will jetzt bloß noch weg hier. Alles ist naß. Das Zelt, der Schlafsack, meine Klamotten. Also Wanderkarte raus und nach der nächsten Bushaltestelle suchen. Nach einer Stunde flotten Marsch habe ich diese dann auch gefunden. Leider hing kein Fahrplan aus und so rufe ich jetzt in der Zentrale in Palma an. Eine Frau hat mir versichert dass noch Busse kommen. So. Nun warte ich hier und hab meine Sachen in der Sonne ausgebreitet. Egal wohin der nächste Bus jetzt fährt. Ich werde einsteigen. Endlich wieder ein festes Dach über dem Kopf. Der Bus hat mich nach Port de Pollenca gebracht wo ich jetzt im Hotel Miramar sitze. Die Kälte ist endlich raus aus meinem Körper und ich liege am Strand unter der heißen Sonne. Im Hotelzimmer trocknen meine Sachen und mein Proviant ist wieder aufgefüllt. Habe gelesen, dass der Ort hier auch schon das Reiseziel von Agatha Christy war. Hier hat sie bestimmt die Inspiration zu „Das Böse unter der Sonne“ bekommen. Der Landstrich hier ist auf jeden Fall genau die Kulisse für diesen Krimi. Der Ort und vor allem das Hotel und seine Gäste sind very very british. Die meisten sind im fortgeschrittenen Alter, haben schneeweiße Waden und alle eine Bügelfalte in der Bademode. Sie trinken Tee und sprechen feines British-English. Hab mir grad eine Käseplatte für 12 Euro auf der Hotelterrasse bestellt, die sich jedoch nun als Flop herausstellt. Aber das Eis an der Eisdiele ist umso besser. Habe zwei Kugeln bestellt und bezahlt, jedoch 4 von der hübschen Verkäuferin erhalten. Die Portion wäre mir fast von der Waffel gefallen als ich sie entgegennahm. Zuzwinkern beim Eiskauf ist halt immer hilfreich – außer es ist ein männlicher Eisverkäufer. Ins Wasser habe ich mich heute jedoch noch nicht getraut. Über den Busfahrplan habe ich mich schon wieder ausgiebig informiert. Das einzige deutschsprachige Fernsehprogramm hier ist RTL 2 und mir fällt auf, dass das hier ja meine X-Diaries sind. 5. Tag. Das Frühstück heute Morgen hat mir sehr gut getan. Alles natürlich wieder very british. Die älteren englischen Pärchen sind so lustig. Zu Fuß mache ich mich auf den Weg zum Torre de Albercutx. Das ist ein Wehrturm über der Bucht von Pollenca. Und hier treffe ich meine nächsten Schutzengel. Christoph und Kathrin, wie sollte es anders sein natürlich wieder Österreicher, nehmen mich ein Stück auf der stark befahrenen Straße nach Formentor mit. Hier ist es schon ein bisschen gefährlich zu Fuß zu gehen und so hob ich auf gut Glück den Daumen. Vom Aussichtspunkt Punta de la Nao beginnt dann mein Aufstieg. Nach gut einer Stunde erklimme ich den Turm. Das war grad schon ein Nervenkitzel die Metallsprossen auf der Außenseite aufzusteigen. Jetzt stehe ich hier und habe eine wunderbaren Blick über die Bucht von Pollenca und auch über das Cap de Formentor.  Hier auf dem Turm bin ich fast ganz alleine weil sich nur noch zwei mutige deutsche Jungs herauftrauen. Nach einer kurzen Brotzeit steige ich wieder ab zum Ausgangspunkt. Von dort geht es wieder per Anhalter weiter. Zwei Malerhandwerker nehmen mich mit. Im Auto stinkt es so nach Verdünnung, dass ich ganz besoffen davon werde. Mich wundert es nicht dass die beiden Typen die ganze Zeit im Auto singen. Am Strand von Formentor steige ich aus. Ich will den beiden noch ein Trinkgeld nehmen doch sie schütteln nur den Kopf. Dort beginnt meine eigentliche Etappe zum Gipfel de Na Blanca. Der beschwerliche Aufstieg bei sengender Hitze treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Lohn für meine Mühen ist der letzte Lebkuchen und der Ausblick auf das Cap und die Bucht von Formentor. Nach dem Abstieg habe ich noch Zeit zum Baden am Strand von Formentor. Am schönsten ist es direkt unter dem geschlossenen Luxushotel Blanca Formentor. Dort steig ich ins warme Wasser und genieße die Ruhe und Stille. Der Strand ist herrlich ruhig und das Wasser ist glasklar. Auch der Sand ist fein und weich. Mit dem Bus fahre ich zurück zum Hotel. Ich gehe noch Spazieren und suche was zum Essen. Deshalb sitze ich jetzt auch beim Inder und habe wieder Zeit zum Schreiben. Wann die Busse morgen nach Palma gehen weiß ich jetzt auch schon und das Essen ist wieder super. Bin jetzt wieder im Hotelzimmer zurück und schau wieder X-Diaries. Die verrückte Familie, die da mitspielt, wohnt ja genau in dem Hotel in dem ich meinen ersten Mallorca-Urlaub verbrachte. Cool. 6. Tag. Die Sonne scheint und es ist noch wärmer als Gestern. Da ich etwas verschlafen habe und ausgedehnt frühstücke verpasse ich glatt den Bus nach Formentor. Ein Taxi bringt mich aber glücklicherweise für 15 Euro an den Strand. Ich gehe wieder zum hoteleigenem Bootsanleger vom Blanca Formentor und mache mir dort einen schönen Tag. Türkisfarbenes warmes Wasser, feinster Sand, Salzkristalle auf meiner Haut, Prinzenrolle, Isomatte, usw. Ich wiederhole immer das gleiche Schema: Baden, Trocknen, Sonnen und zwischendurch träumen, in alten Erinnerungen schwelgen oder auch im Reiseführer schmökern. Am Nachmittag fahre ich mit dem Bus zurück nach Palma. Hey… da war grad eine Motocross-Strecke direkt neben der Autobahn. Hier in Palma wimmelt es von Leuten. Die Geschäfte haben bis halb 9 geöffnet und so bummle ich noch etwas durch die Straßen bevor meine letzte Nacht im Luxushotel Mission Miguel (oder so ähnlich) beginnt. Letzter Tag. Alles läuft wie am Schnürchen. Um 6:30 Uhr geht’s mit dem Bus wieder zum Flughafen. Es hat 16°C obwohl es noch finster ist und leicht geregnet hat. Airberlin fliegt wieder pünktlich und auch die Führerlose U-Bahn bringt mich ohne Zeitverzug zum Hauptbahnhof in Nürnberg. Dort hetze ich zum Zug nach Bayreuth, den ich grade noch so erwische. Oh Gott ist es hier kalt – Klimaschock. Hier sitze ich grad und freu mich schon so auf zuhause… Um 15 Uhr kam ich dann in Trabitz am Bahnhof an. Es regnete leicht und anstatt zuhause anzurufen ging ich das kleine Stück bis Feilersdorf auch noch zu Fuß. Nach dieser Wanderwoche kam es auf die 5 Kilometer auch nicht mehr an. Toll war das Gefühl als ich dann auf Feilersdorf hineinmarschierte und dann vor unserer Haustüre stand. Da sag ich nur „Mui Bino“. ;)

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